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Ich will kein Kleid mehr tragen

 

Ich will kein Kleid mehr tragen von Rosa von Praunheim / Can Fischer

 

Statements, Tagebuchnotizen, Dialoge, Lyrik – schwule Texte aus den frühen 60er Jahren, als Rosa von Praunheim noch Holger Mischwitzky war und der § 175 männliche Homosexualität mit Gefängnisstrafe belegte – Zeugnisse eines jungen Mannes, der einer repressiven Realität seine Sinnlichkeit, Sexualität und Kreativität mit Chuzpe entgegenstellt. In der Fassung von Can Fischer wird die Fülle des bislang unveröffentlichten Materials zu einem Dialog für zwei Schauspieler verdichtet. Auf diese Weise lernen wir in "Ich will kein Kleid mehr tragen" einen bislang unbekannten Autor kennen, der seine Poesie und seinen individuellen Geltungsanspruch als schwuler Mann zu einer künstlerischen Autonomie verschmilzt, für die der Name "Rosa von Praunheim" zu einem unverwechselbaren Begriff geworden ist.

 

Die Texte nehmen einen Weg von der autobiographischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, das sowohl als göttlich wie auch als Opfer oder als bedrohlich erscheint, über die Begegnung und Konfrontation mit der Außenwelt hinein in schwule Liebe, Sexualität, Beziehung und Trennung. Obwohl vor dem Hintergrund der Bundesrepublik zu Zeiten Konrad Adenauers und Ludwig Erhardts geschrieben, gibt es keinen Moment von "in the closet". Ein kraftvoller und zugleich spielerischer Umgang mit Sprache behauptet schwule Schönheit, Stolz und Stärke. Rosa von Praunheim formuliert Wünsche, für deren Erfüllung "die Welt zu klein" ist. Dabei blendet er Verzweiflung, Groteske und Trauer nicht aus. Und im Hinblick auf die gesellschaftliche Enge jener Zeit und die Verdrängung der Vergangenheit kann er spotten: "Ich zeige mit dem Finger auf die Narben meiner Feinde und endlos ist mein Blick in die Vergangenheit".

 

"Ich will kein Kleid mehr tragen" ist in den Jahren vor der 68-er Revolution entstanden, vor der Schwulenbewegung, vor CSD's und Gendermainstreaming. Rosa von Praunheims frühe Texte sind ein Zeitdokument und dennoch nicht überholt. Im Gegenteil, ihre Authentizität und ihr kompromissloses Bekenntnis zur individuellen Sinnlichkeit provozieren nach wie vor, und machen Lust, sich gegen Konformismus, Opportunismus, Egoismus jeglicher Couleur zu "outen".

 

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Regie Can Fischer Video + Sound Lutz Knospe Dramaturgie Holger Müller-Brandes

Mit Dirk Martens / Laurenz Wiegand

 

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04.02.2016 >> 20:00 Uhr >> Volksbühne (Roter Salon)

 

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